Häufig gestellte Fragen

Über Öffentliche Beschaffung innovativer, biobasierter Produkte und Dienstleistungen

1. Was sind biobasierte Produkte und Dienstleistungen?

Biobasierte Produkte bestehen – entweder ganz oder nur teilweise – aus biogene Materialien. Das heißt, dass sie aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt werden (auch “Biomasse” genannt). Die meistverwendeten Arten von Biomasse sind Zucker, Stärke, pflanzliche Öle, Holz und natürliche Fasern. Teilweise aus Biomasse bestehende Produkte können auch Mineralien oder Rohöl enthalten.

Heutzutage gibt es eine Vielfalt an Produkten, die täglich in Haushalten verwendet werden, die zumindest teilweise aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt werden. Häufig sind die meisten Verbraucher sich nicht bewusst sind dass diese Produkte biobasiert sind. Dies ist z.B. der Fall bei Baumaterialien, Verpackungen, Reinigungsmitteln, Kosmetikprodukten und Textilien. Eine der gebräuchlichsten Arten der biobasierten Produkte ist Papier, obwohl biobasierte Produkte u. a. auch Kugelschreiber, Tinten, Möbel und Gartenwerkzeuge umfassen können.

Eine biobasierte Dienstleistung besteht aus der Inanspruchnahme eines Dienstes der biobasierte Produkte verwendet. Dies kann z. B. ein Auftragnehmer sein, oder ein Reinigungsdienst, der biobasierte Farben oder Reinigungsmittel verwendet.

Weitere Informationen darüber, was biobasierte Produkte sind, woraus sie hergestellt werden usw., finden Sie auf dem Factsheet #1 “Was sind bio-basierte Produkte?”.

2. Warum wird es als Beschaffung INNOVATIVER biobasierter Produkte und Dienstleistungen bezeichnet?

Bis Mitte des 19. Jahrhunderts lebte die Menschheit in einer Agrargesellschaft. Seither wurden immer neue Produkte aus fossilen Rohstoffen, wie z. B. Erdöl, Kohle oder Naturgas hergestellt Eine Umkehr aus der fossilen Gesellschaft zu einer modernen Agrargesellschaft, nämlich der Bioökonomie ist jetzt wichtigDurch eine intelligente Kreislaufwirstschaft können wir die natürlichen Reesourcen nutzen ohne sie überzustrapazieren. Ohne Folgen für die Nahrungsmittelversorgung müssen wertvolle Bestandteile au biobasierten Rohstoffen eingesetzt werden. Landwirtschaftliche Nebenprodukte beispielsweise aus Zuckerrüben, Kartoffeln und Gras bilden neue Rohstoffe, um daraus wertvolle biobasierte Materialien herzustellen.

Diese neuen, innovativen Materialien werden rigorosen Tests ausgesetzt und sie müssen den gleichen Qualitäts- und Sicherheitsanforderungen entsprechen wie jedes andere Produkt in Europa. Bis jetzt haben biobasierte Produkte noch keine große Erfolgsbilanz, die 50 bis 100 Jahre überspannt, wie die auf Öl basierten Produkte. Biobasierte Produkte stellen in öffentlichen Beschaffungsverfahren noch keine Größe darund könnenhäufig noch Konformitätsprüfungen erfordern. Andererseits könnten biobasierte Produkte auch einen Mehrwert haben, den man noch nicht kennt.

Wenn also die Beschaffung innovativer biobasierter Produkte und Dienstleistungen interessant wird, sollte man bei der Angebotserstellung darauf achten dass es eines größeren finanziellen Spielraums bedarf, da diese Produkte anfangs mehr kosten könnten könnten, siemöglicherweise mehr Zeit brauchen um sich beweisen zu können und sie besser für die Gesundheit und Umwelt sein können. Es ist empfehlenswert, guten Kontakt zum Markt dieser Produkte zu haben, um zu verstehen was zur Verfügung steht, wie diese neuen Produkte Ihren Bedürfnissen entsprechen, und wie eine Angebotserstellung organisiert sein muss, damit diesen Alternativen eine Chance geboten wird.

Der Unterschied zwischen einem normalen Beschaffungsprozess und dem Prozess einer öffentlichen innovativen Beschaffung liegt vor allem in der Formulierung der Anforderung und der Art und Weise der Interaktion mit dem Markt. Der Begriff öffentliche innovative Beschaffung wird angewendet für eine ‘Beschaffung, in der öffentliche Auftraggeber als Pilotkunden für innovative Waren oder Dienstleistungen auftreten, die noch nicht großräumig kommerziell verfügbar sind, und was möglicherweise eine Konformitätsprüfung einschließt’.[1]



[1] Art.2(18), Horizon 2020 Rules for Participation Regulation No 1290/2013.

3. Warum sollte ich im Rahmen der öffentlichen Beschaffung biobasierte Produkte fördern oder bevorzugen?

Wenn sie umweltfreundlich produziert wurden, können Sie, indem Sie bio-basierte Produkte statt der konventionellen Alternative wählen, zu einigne positive Änderungen in ihrem Büro, Krankenhaus, der Gemeinde, und zu unserer ganzen Gesellschaft und Umwelt beitragen.

Wenn Sie diese Produkte kaufen, können Sie innovative Lösungen fördern und deren Marktdurchdringung steigern. Viele dieser innovativen Produkte sind nicht sehr bekannt – indem sie sichtbarer werden, kann Ihre Entscheidung einen positiven Effekt auf die gesamte Marktentwicklung in Richtung effizienterer und umweltverträglicherer Produkte haben.

Es gibt viele biobasierte Alternativen, die für Ihre Beschaffungsanforderungen relevant sind (mehr Informationen finden Sie unter Frage 4). Es besteht genügend Marktverfügbarkeit und ihre Funktionalität ist gleich der herkömmlichen Produkte, oder sogar noch besser. Probieren Sie es doch einmal aus!

Wenn unsere Gesellschaft den Klimawandel ernst nimmt, müssen wir die Menge des von uns verbrauchten fossilen Kohlenstoffe reduzieren, damit kein fossiles CO2 in die Atmosphäre entweicht. Eine Studie aus 2015 (McGlade & Ekins [1]) hat gezeigt, dass wir erhebliche Mengen an fossilen Rohstoffen im Boden belassen sollten, wenn wir das Klimaschutzziel von 2°C erreichen wollen. Nachhaltig produzierte biobasierte Produkte können dazu beitragen!

Hier finden Sie noch einige Vorteile, die biobasierte Produkte Ihnen und Ihrer Gemeinschaft bieten könnten:

  • Reduzierte negative Folgen für die Gesundheit, die durch luftgetragene petrochemische Tonerpartikel verursacht werden .
  • Die Verwendung natürlicher Fasern bietet bessere Wärmedämmung. Die Anwendung, z.B. bei der Erstellung von Baumaterialien, kann auch zu einer Reduzierung von Gesundheitsproblemen während der Verwendung beitragen.
  • Eine größere Umweltfreundlichkeit, einschließlich eines geringeren CO2-Fußabdrucks während der Produktion und/oder Verwendung. Biobasierte Autoteile sind zum Beispiel weniger schwer als herkömmliche, wodurch der Benzinverbrauch während der Fahrzeugnutzung vermindert wird.
  • Biologische Abbaubarkeit in Umgebungen wo die Sammlung und Trennung bestimmter Abfallprodukte nicht machbar oder praktisch ist. Dies trifft vor allem in der Gastronomie oder bei Freiluftveranstaltungen, als auch bei der Gartenarbeit und Landschaftsgestaltung zu. Biologische Abbaubarkeit ist auch ein Merkmal von Biotensiden (die in Reinigungsmitteln verwendet werden).
  • Weniger Verbrauch von Reinigungsmitteln, Energie, Wasser, usw. und weniger Verschleiß bei biobasierter Kleidung und Textilien, wie z. B.Lyocell oder Tencel®, dies führt zu längerer Lebensdauer und reduzierten Wartungskosten.
  • Reduzierte Gesamtbetriebskosten, d. h. potenziell geringere Totalkosten, wenn alle Kosten miteinbezogen werden, die sich auf ein Produkt während dessen Lebensdauer beziehen.



[1] McGlade, C., Ekins, P. 2015: The geographical distribution of fossil fuels unused when limiting global warming to 2°C, in: Nature Vol. 517, 8. Januar 2015, 187-203.

4. Gibt es überhaupt biobasierte Produkte auf dem Markt, die meinem Beschaffungsbedarf entsprechen? Sind genügend biobasierte Alternativen erhältlich?

Wahrscheinlich: Ja. InnProBio hat einige wichtige Beschaffungskategorien identifiziert, in denen biobasierte Produkte eine gute Alternative zu auf herkömmliche Weise produzierten Produkten sein können. Die identifizierten Kategorien und zugehörigen Produkte sind:

  • Bau und Infrastruktur: Baustrukturmaterialien, wie z. B. Isolierung, Verkleidung, Fassadenplatten und andere Baumaterialien (Rohre und Kunststoffe) sowie auch (Innen-)Beschichtungen.
  • Garten- und Landschaftsgestaltung: Geotextilien, Erosionsschutzunterlagen, Schutzmaterialien, Kunststoffbinder, Pflanzgefäße und Baumverankerungsmaterialien
  • Versorgung und medizinische Ausrüstungen: Textilien
  • Reinigung, Hygiene und Gesundheitliches: Reinigungsmittel, Reinigung von Betriebskleidung, Haushaltsdienste, Haushaltsmüllverarbeitung
  • Fahrzeuge und Mobilität: Firmenwagen, Schmiermittel
  • Informations- und Kommunikationstechnologie, Büromaterial und Papier: Büromaterial und Tonerkartuschen
  • Möbel und Inneneinrichtungen: Büroausstattung, insbesondere Teppichböden, Möbel
  • Nahrungsmittel, Gastronomie und Veranstaltungen: Wegwerfbecher, Verpackungsmaterialien und Utensilien

Schlagen Sie für weitere Informationen bitte in den Fallstudien zu beispielhaften Maßnahmen, Textbausteine für Ausschreibungsanforderungen, und in der Datenbank biobasierter Produkte nach.

Wir haben auch eine Übersicht an Anbietern von biobasierten Produkten zusammengestellt, damit Sie sicher sein können, dass das Herausheben biobasierter Kriterien in der Ausschreibung keinerlei Einschränkung auf dem Markt entstehen lässt.

5. Bieten biobasierte Produkte der ganzen Gesellschaft irgendwelche Vorteile?

Biobasierte Produkte umfassen ein breites Spektrum an Anwendungsmöglichkeiten und werden aus einer Vielfalt an Rohstoffen hergestellt. Deshalb müssen die von Vorteile von Fall zu Fall beurteilt werden. Abhängig vom der produktion und dem Verwendungszweck können unterschiedliche Vorteile auftreten.

Es ist aber durchaus möglich einige generelle Aussagen bezüglich biobasierter Produkte zu tätigen und zu erklären, wieso deren Förderung für die Gesellschaft gut sein kann. Wenn wir unsere Industrie von erdölbasiert in Richtung vermehrter Verwendung von biobasierten Rohstoffen umstellen, reduzieren wir Europas Abhängigkeit vom Import der fossilen Rohstoffe, wodurch wir von plötzlichen Änderungen auf dem Weltmarkt oder von den Folgen eventueller Konflikte weniger abhängig werden. Dadurch, dass wir immer mehr Biomasse für immer mehr Anwendungen aus dem eigenen Land verwenden, erschaffen wir Absatzmärkte für für die Landwirtschaft, wodurch das Einkommen und die ländliche Entwicklung verbessert wird und dem zufolge mehr zusätzlicher Arbeitsplätze entstehen. Auf längere Zeit wird unsere Gemeinschaft alternative Produktionsweisen für Verbrauchsgegenstände und sonstigen Materialien finden müssen, da Erdölquellen endlich sind und nicht dauerhaft Rohstoffe liefern können.

Darüber hinaus können biobasierte Produkte erheblich zur Abschwächung der Klimaänderung beitragen. Es mag Unterschiede zwischen den Effekten unterschiedlicher Produkte geben, aber es gibt eindeutige Indikationen, die anzeigen, dass viele Produkte weniger klimaschädlich sind, wenn die Biomasse dafür nachhaltig produziert wird und die Produktionsverfahren umweltfreundlich gestaltet sind. Mehr Informationen finden Sie unter Frage 7, oder in dem InnProBio Factsheet #2 zum Thema Nachhaltigkeit von biobasierten Produkten.

Einige Beispiele der Vorteile von biobasierten Produkte sind:

  • Einsparung von bis zu 30% an Elektrizität während des Waschvorgangs, indem Kleidung mit biobasierten Tensiden und Enzymen bei 30°C gereinigt wird.
  • Biologisch abbaubare Agrar-und Mulch-Folien verbessern die wirtschaftliche Produktivität und reduzieren die Kosten der Sammlung von Kunststoffabfällen auf dem Land, wobei gleichzeitig die Aufnahme von Kunststoffpartikeln in Böden vermieden wird.
  • Biobasierte Schmierstoffe sind im Boden und im Wasser biologisch abbaubar und können in umweltempfindlichen Gebieten verwendet werden.
  • Natürliche Kosmetikprodukte, wie z. B. Körperpflegeprodukte (Seife, Bade-und Duschzusätze, Haarwaschmittel) sind in Abwasser biologisch abbaubar.

6. Welche Vorteile haben biobasierte Produkte für Anwender/Verbraucher im Vergleich zu traditionellen Produkten?

Biobasierte Produkte können vielfältig angewendet werden und werden aus einer Vielfalt verschiedener Rohstoffe gewonnen. Deswegen müssen die jeweiligen Vorteile von Fall zu Fall bewertet werden und können daher Unterschiede aufweisen. Dies hängt von der jeweiligen Anwendung und von der vorgesehenen Anwendung ab. Spezifische Beispiele finden Sie in den Fallstudien zu beispielhaften Maßnahmen.

In vielen Fällen bieten biobasierte Alternativen zusätzliche Funktionen, die den Verbrauchern direkt oder indirekt Vorteile bieten im Vergleich zu herkömmlichen Produkten. Einige Beispiele sind Textilien, die aus Naturfasern hergestellt wurden, insbesondere aus neuartigen Cellulosefasern, die hohen Tragekomfort bieten, oder Reinigungsmittel und Kosmetika die hautfreundlicher sind und mit weniger Chemikalien hergestellt wurden. Neuartige biobasierte Tenside zeigen verbesserte Wirkung bei der Entfernung von Schmutz. Auch Baumaterialien oder Geotextilien aus Naturfasern, oder aus Holz, weisen überlegene Eigenschaften bei der Isolation oder Stabilisierung auf. Wie zuvor schon erwähnt, muss all das auf Grund der Formulierung eines spezifischen Produktes und dessen vorgesehener Anwendung beurteilt werden.

7. Sind biobasierte Produkte immer nachhaltiger als auf Erdöl basierte Produkte?

In vielen Fällen schon, aber nicht immer. Aus Erdöl hergestellte Produkte werden am Ende ihres Lebens fossilen Kohlenstoff an die Atmosphäre abgeben, und dadurch zum Treibhauseffekt und der Klimaveränderung beitragen. Biobasierte Produkte tragen nur den Kohlenstoff bei, den sie vorher aus der Atmosphäre entnommen haben, wodurch ein Gleichgewicht gewahrt wird. Aber die Kultivierung von Biomasse kann auch einen großen Einfluss auf der Umwelt haben. Life Cycle Assessment (LCA, oder Produktlebenszyklusbewertung) ist ein Hilfsmittel, das zur Bewertung der Umweltbelastung eines einzelnen Produktes dient. Diese LCAs können bei der Entscheidung helfen, ob ein Produkt jetzt wirklich besser ist, oder nicht. Ein weiteres Hilfsmittel sind Nachhaltigkeitszertifikate, die sicherstellen, dass landwirtschaftliche Methoden den elementaren Nachhaltigkeitsanforderungen entsprechen, was, z. B. bedeutet, dass der Regenwald nicht zwecks Gewinnung von Bauland abgebrannt wird, oder dass die Biodiversität nicht in Gefahr gebracht wird. Mehr Informationen über LCAs und Nachhaltigkeitszertifizierung finden Sie in dem InnProBio Factsheet #2 zum Thema Nachhaltigkeit von biobasierten Produkten und Factsheet #5 zum Thema LCAs.

8. Welchen Zusammenhang haben biobasierte Produkte mit der Kreislaufwirtschaft?

Es gibt keine allgemeingültige Antwort auf diese Frage. Die Kreislaufwirtschaft versucht, Rohstoffe, so lange es geht in einem Kreislauf zu halten, und dadurch zu mehr Rohstoffeffizienz beizutragen. Die biobasierte Wirtschaft wird durch ihre Rohstoffbasis (d. h. Biomasse) definiert, und auch durch die Prozesse durch die Waren produziert werden. Wenn diese Prozesse biologische Organismen oder Teile davon (“Biotechnologie”), verwenden, und so zum Ziel haben, die Rohstoffbasis von fossilen und damit erschöpflichen Rohstoffen wegzuleiten, dann folgtdaraus, dass es zwischen beiden Bereichen keine allgemeine Verbindung gibt.

Bisweilen wird gesagt, dass die biobasierte Wirtschaft ein Teil der Kreislaufwirtschaft ist, aber das ist auch irreführend. Es gibt zwar einige Überschneidungen zwischen ihnen, und sie können beide zu den gegenseitigen Zielen beitragen, aber eines dem anderen unterzuordnen, ist nicht korrekt. Dazu einige Beispiele, wie biobasierte Produkte einen Beitrag am Konzept und den Zielen der Kreislaufwirtschaft liefern:

  • Viele der biobasierten Produkte werden aus Reststoffen anderer Produktionsverfahren hergestellt, wodurch die Effizienz der Ressourcennutzung verbessert wird. Dies gilt sowohl für traditionelle biobasierte Bereiche, wie die Naturharzindustrie, wo Tallöl als Nebenprodukt aus der Produktion von Zellstoff abfällt, als auch für den petrochemischen Bereich, wo z. B. Farben und Lacke aus Reststoffen der Tierverarbeitung hergestellt werden. Es gilt auch für neuere Bioraffineriekonzepte, deren Ziel es ist, die maximale Menge an Biomasse zu verwenden.
  • Viele der biobasierten Produkte sind wiederverwendbar. Papier- und Holzprodukte sind gute Beispiele dafür, dass viele europäische Länder gut funktionierende Wiederverwertungssysteme für biobasierte Produkte eingerichtet haben. Die meisten biobasierten Kunststoffe können zwar auch wiederverwertet werden, es gibt aber nicht für alle davon Wiederverwertungsanlagen. Aus Untersuchungen stellte sich jedoch deutlich heraus, dass biobasierte Kunststoffe die Wiederverwertungszyklen nicht mehr gefährden, als es jedes andere Material tut, für das es noch keine Wiederverwertungsanlagen gibt. Beachten Sie dabei, dass in Europa nur die vier größten Massenkunststoffsysteme, d. h. Polyethylen, Polyetylen-Terephtalat (PET-Flaschen), Polystyrol und PVC wiederverwertet werden. Auch wird keine andere Art konventionellen Kunststoffs wiederverwertet, also ist dies nicht nur bei biobasiertem Kunststoff so.
  • Viele biobasierte Produkte können organisch wiederverwertet werden, d.h. durch Kompostierung oder biologischem Abbau, (für weitere Informationen schauen Sie bitte in dem InnProBio Factsheet #3 zum Thema Abbaubarkeit nach), wobei die Biomasse dem Boden zurückgegeben wird und neue Rohstoffe daraus wachsen können.
Für weitere Details zu diesem Thema, bitte werfen Sie einen Blick auf InnProBio Factsheet # 4 auf Bio-basierte Produkte und Dienstleistungen in der Kreislaufwirtschaft.
9. Wie kann der Biomassenanteil eines Produktes festgestellt werden? Gibt es dafür eine Normierung, und gibt es Zertifikate, die die Anforderungen bestätigen?

Der europäische Normenausschuss CEN hat verschiedene Normen entwickelt in welchen biobasierte Produkte und wie deren Biomassenanteil gemessen wird definiert werden. Die Norm EN 16575 “Biobasierte Produkte – Vokabular” (2014) definiert, was unter biobasierte Produkten verstanden wird, was genau Biomasse ist, usw. Die technische Spezifikation “Biobasierte Produkte. Feststellung des biobasierten Kohlenstoffanteils in Produkten mittels der Radiokohlenstoffmethode” (CEN/TS 16640:2014) erklärt, wie der biobasierte Kohlenstoffanteil gemessen wird. Die Messung des biobasierten Kohlenstoffwerts ist dadurch möglich dass Kohlenstoff aus Biomasse sich von Erdöl-basiertem Kohlenstoff mittels der Molekülstruktur unterscheidet.

Um den Anspruch, dass Produkte biobasiert sind, zu beweisen, gibt es zwei Zertifizierungen auf dem europäischen Markt: das Belgische Zertifizierungssystem Vinçotte, und eins von der deutschen Zertifizierungsstelle DIN CERTCO. Beide messen den biobasierten Kohlenstoffanteil eines Produktes und drücken die Resultate in Prozentsätze aus (z. B. der Anteil an biobasiertem Kohlenstoff liegt zwischen 50% und 70% des gesamten Kohlenstoffanteils im Produkt). Mehr Informationen bezüglich der Zertifizierungssysteme finden Sie im InnProBio Factsheet #2 zum Thema Nachhaltigkeit biobasierter Produkte.

10. Ist es in Ordnung, Nutzpflanzen für die Herstellung von Materialien oder von biobasierten Produkten zu verwenden?

Aber sicher, unter einigen Bedingungen und zwar aus folgenden Gründen.

Die Verwendung von Nutzpflanzen für andere Zwecke, als nur für Nahrung und Futter (z. B. Biobrennstoff) ist ein sehr kontroverses Thema. Während der Nahrungskrise in 2008 wurde oft behauptet, dass Biokraftstoffe zur Notlage beigetragen haben, indem sie der Nahrung Konkurrenz machten und die Preise anhoben. Deshalb ist es Konsens, dass die Anwendung von Nutzpflanzen für andere Zwecke als für die Nahrung und als Futtermittel nicht in Ordnung sind. Der Schwerpunkt wurde auf Rohstoffe der sogenannten “zweiten Generation” verschoben, die angeblich der Nahrung keine Konkurrenz machen, da es sich hauptsächlich um Abfälle und lignozellulosehaltige Materialien (d. h. Holz und Kurzumtriebsplantagen, wie z. B. Miscanthus oder Pappel) handelt.

Aber in Wirklichkeit ist es komplizierter als das. Es gibt immer mehr Beweise dafür, dass der Anbau von Nutzpflanzen auch für andere Zwecke als für Nahrung oder als Futtermittel einige Vorteile bietet. Die Gesamtverfügbarkeit des Nahrungsangebots wird erhöht, Landwirten bekommen mehr Ertragsquellen, dieseNutzpflanzen sind häufig effizienter in der Bodennutzung als Kurzumtriebplantagen und so weiter (weitere Informationen z. B. bei Kline et al. 2016,[1] oder Carus and Dammer 2013[2]). Mittlerweile haben verschiedene Studien überzeugend angezeigt, dass Biobrennstoffe nicht die Hauptursache für die Wucherpreise in 2008 waren. Da biobasierte Materialien viel geringere Marktanteile und Rohstoffansprüche haben als Brennstoffe und Energie, ist deren Effekt sogar noch geringer .

Deswegen ist es durchaus akzeptabel, Nutzpflanzen wie Zucker und Stärke für biobasierte Materialien zu verwenden, wenn deren gesamte Nachhaltigkeit sichergestellt ist (z. B. mittels eines Zertifikats, siehe Frage 9).



[1] Kline, K. et al. 2016: Reconciling food security and bioenergy: priorities for action, in: GCB Bioenergy 2016, 1-20.

[2] Carus, M., Dammer, L. 2013: nova paper #2: Food or Non-Food: Which Agricultural Feedstocks are Best for Industrial Uses?. Hürth 2013. http://bio-based.eu/nova-papers/

11. Gibt es irgendwelche Nachteile und / oder Hürden beim Kauf biobasierter Produkte und Dienstleistungen?

Im Allgemeinen wurden Produkte, die auf dem Markt erhältlich sind, getestet und müssen die gleichen Qualitäts-und Sicherheitsregeln einhalten wie andere Produkte in Europa. Unter diesen Bedingungen sollte es also beim Kauf biobasierter Produkte keine Hürden geben. Wenn Sie sich Ihrer Sache nicht sicher sind, und mehr darüber erfahren möchten, folgen Sie bitte InnProBio und den Marktdialogen und Trainings die wir anbieten.

Aus einer öffentlichen Perspektive könnte es Fragen bezüglich der Nachhaltigkeit oder der Konkurrenz zur Nahrung geben, welche wir in den obenstehenden Fragen versuchten anzusprechen. Die Anwendung der Zertifikate und Gütezeichen ist eine wunderbare Möglichkeit um zu zeigen, dass das gewählte Produkt positive Effekte aufweist.

Natürlich ist der Preis ein weiterer wichtiger Faktor. Oftmals sind biobasierte Produkte teurer als, von der Funktion her vergleichbare, herkömmliche Produkte. Dies ist so, weil die Produktionskosten höher liegen, was durch relativ neu entwickelte Verfahren, höhere Rohstoffkosten und kleine Produktionsmengen verursacht wird. Aber der Effekt auf die Beschaffung ist meistens geringer als gedacht, weil die verlängerte Langlebigkeit oder verringerter Bedarf an Unterhalt die Gesamtbetriebskosten erheblich senken kann, und auch, weil oftmals nur geringe Mengen an biobasierten Produkten beschafft werden.

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